Das Weltnotwerk der KAB

Erklärung von Nantes 2009

Erklärung der Generalversammlung vom 18. bis 21. Oktober 2009 in Nantes

«Arbeitsmigranten und Globalisierung»
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Das war eines der Themen auf dem internationalen Treffen in Nantes vom 12.-21. Oktober 2009, durchgeführt von der Weltbewegung Christlicher Arbeitnehmer. In einer Atmosphäre wahrer Brüderlichkeit „ohne Grenzen“ erlebten 150 Delegierte, die 44 nationale Bewegungen aus 4 Kontinenten(Europa, Amerika, Afrika und Asien) repräsentierten, zehn Tage des Austausches und der intensiven Debatten.
Anhand von Berichten zur weltweiten Migration, über Berichte von Augenzeugen, über eine theologische Vertiefung des Themas und über Begegnungen mit französischen Aktivisten wurden die Delegierten mit ihrer eigenen Lebenssituation konfrontiert, entdeckten andere Lebenswirklichkeiten und versuchten für sich neue Handlungsmuster zu entwickeln.

Migration; ein neues Phänomen, das die Länder des Nordens von Grund auf erschüttert?
Unbestreitbar ist, Migration ist eine Konstante in der Geschichte der Menschheit. Es ist auf Dauer nie gelungen die Mobilität der Menschen zu ver-hindern. Schon immer sind Männer und Frauen aus wirtschaftlichen, politischen, sozialen, kulturellen und anderen Gründen migriert. Heute gibt es bei einer Weltbevölkerung von 6 Mrd. Menschen ungefähr 200 Millionen Migranten, das sind 3% der Weltbevölkerung. In den Ländern des Nordens wird dabei übersehen, dass 80% der Migration von südlichen Ländern in andere südliche Länder stattfindet.
Entgegen weitverbreiteter Ansicht sind die potentiellen Migranten, die in die Länder des Nordens kommen (nur etwa 20% der gesamten Migration) keineswegs verarmt oder benachteiligt; sie haben vielmehr größtenteils eine Ausbildung, haben Berufs- oder Bildungsabschlüsse und ihre Reise wird meistens von den Familien finanziert. Aus ökonomischen oder politischen Gründen ins Exil getrieben, können diese ausgebildeten Männer und Frauen nichts für die Entwicklung ihres Heimatlandes beitragen, das zudem noch auf ihre wertvollen Kompetenzen verzichten muss. Diese Art der Migration ist keineswegs sehr bedeutend (wie einige Regierungen glauben machen wollen), noch ist sie in der Mehrzahl illegal oder eine „Hungerflucht“.

Die Migranten: wesentliche Unterstützung für die Wirtschaft des Herkunftslandes
Schätzungen besagen, dass die finanziellen Transaktionen der Migranten ungefähr bei 300 Milliarden Dollar liegen, das ist ungefähr 3 mal so hoch wie die Entwicklungshilfe der Industrie-länder beträgt (ca. 104 Mrd. Dollar). Ihr Beitrag für die Wirtschaft der Herkunftsländer ist somit unverzichtbar. Die Migranten beteiligen sich außerdem oft an die Finanzierung kommunaler Projekte, um die Untätigkeit des Staates zu mildern (Gesundheit, Schule, Subsistenzwirt-schaft, etc.).

Migration: ein Phänomen, verstärkt durch die globalisierte Wirtschaft
Die Finanzkrise hat gezeigt, dass eine Marktwirtschaft, die sich «frei» nennt, die ohne Regeln und Grenzen ist, keine gleichberechtigte und gerechte Welt schaffen kann. Nach Erhebungen in ihren Mitgliedsländern haben die Repräsentanten der WBCA festgestellt, dass Arbeiterinnen und Arbeiter die ersten Opfer der Krise waren, besonders in der südlichen Hemisphäre. Fehlende Demokratie, Korruption, mangelnde Zukunftsaussichten der Jugend, Elend und Hunger, besonders auf dem Land, bewirken ein Anstieg der internen (Kampagne „in die Städte“) oder externen Migration (in angrenzende Länder oder darüber hinaus).

Kommende Herausforderungen für eine gerechtere und solidarischere Welt
Die wirtschaftliche Globalisierung verpflichtet uns über das Phänomen der Migration nachzudenken. Beeinflusst durch eine verantwortungslose Politik müssen wir aufhören, Migration als ständige Gefahr zu sehen, müssen wir aufhören, uns vor ihr zu ängstigen. Die Politik der Abschottung und der Repression, angewendet durch die Länder des Nordens, zeigt uns ihre Grenzen auf und ist auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt. Es ist zudem wichtig, die Heuchelei anzuprangern, die daraus besteht, lediglich die „Illegalen“ verfolgen zu wollen, denn die Mehrzahl von Ihnen haben eine reguläre Beschäftigung und sie tragen aktiv zur Wirtschaft des Gastlandes bei. Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Regulierung der Migrantenströme sich nur nach den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Länder des Nordens, an den Erfordernissen ihrer Märkte orientiert und dabei die Familien der Migranten zerstört. Es gibt nur eine dauerhafte Lösung dieser Problematik, nämlich durch gerechte Abkommen, die zwischen Herkunfts- und Gastländern in einem solidarischen Einvernehmen ausgehandelt werden.

Für eine weltweite Regelung
Selbst wenn es noch schwierig und entfernt scheint, die Einführung einer weltweiten Regelung der Migration ist unentbehrlich. Die wirtschaftliche Krise, Folge der gescheiterten neoliberalen Politik, zwingt uns, aus den Abhängigkeitsverhältnissen staatlicher Institutio-nen herauszukommen, um eine Partnerschaft zwischen den direkt Beteiligten zu ermöglichen. Eine Lösung könnte die Schaffung eines Staatsbürgerschaftsrechts sein, das nicht mit der Nationalität in Zusammenhang steht. Es ist notwendig, sich vom "Unterschied des Staatsbür-gerrechts" zu verabschieden und den Migranten ein "Staatsbürgerrecht auf Unterschied“ anzubieten. Dies wäre eine Maßnahme, die kulturelle Grenzen und Klischees abbauen würde; man sähe im Fremden einen Bruder im Menschen, eine Chance und nicht eine Bedrohung für die bestmögliche Entwicklung aller.

Es gibt keinen Fremden im Haus Gottes
Die Delegierten der Bewegungen stützen sich auf das Evangelium, und bekräftigen, dem Wort Jesu folgen zu wollen, „dass es notwendig sei, für eine menschlichere und gerechtere Zukunft zu kämpfen“. Es gibt keinen Fremden im Haus Gottes. Sie haben weiter bekräftigt, dass Solidarität „von der Sorge um das Gemeinwohl der ganzen Menschheit geleitet ist, das heißt, von der Sorge um die geistige und menschliche Entwicklung aller statt von der Sorge um den persönlichen Vorteil". Sollicitudo Rei Socialis).

„Die Zukunft öffnen für eine solidarische Welt!“
Das ist der Titel des neuen Aktionsplans für die 4 kommenden Jahre, angenommen von den Delegierten in Nantes. Sie bekräftigen, weiter für die Schaffung einer neuen weltweiten wirtschaftlichen Ordnung in allen Ländern und auf internationaler Ebene kämpfen zu wollen, um die Befriedigung der Bedürfnisse aller zu ermöglichen, unter Berücksichtigung folgender Forderungen:

- Für die Rechte der Migranten in Bezug auf Gesundheit, Erziehung, Sozialen Schutz, Wohnung, Staatsangehörigkeit und für eine Arbeit mit den gleichen Rechten der Arbeiter des Aufnahmelandes

- Für den Aufbau einer wirklichen Kultur des Friedens, insbesondere gegen die Korruption in allen Ländern.

- Für die Verteidigung der Rechte der Ar-beiter, insbesondere für eine angemessene Arbeit welche die Würde der Frauen und Männer respektiert und welche es erlaubt angemessen zu leben.

- Für die Gleichheit von Männern und Frauen im zivilen, politischem sozialem und wirtschaftlichem Leben.

- Für eine solidarische Entwicklung zwi-schen Norden und Süden in dem die Per-sonen und Kulturen respektiert werden.

Am Ende der Versammlung haben die Delegierte für die Mitglieder des Büros und des Internationalen Rates der WBCA gewählt, welche das Mandat für den nächsten vier Jahren erhalten haben. Es wurden gewählt:

ï�­ Zwei Co-präsidenten, 1 Mann und 1 Frau mit gleichen Rechte (Niger und Brasilien)
ï�­ Eine Generalsekretärin (Deutschland)
� Einen Schatzmeister (Frankreich)
ï�­ Sechs Mitglieder des Internationalen Rates: 2 Männer und 4 Frauen (Europa, Asien, Afrika, Amerika)

Kontakt: Weltbewegung Christlicher Arbeitnehmer 124 Boulevard du Jubilé 1080 BRUXELLES (Belgien)
Web: www.mmtc-infor.com E-Mail: info@mmtc-infor.com