Das Weltnotwerk der KAB

Haiti

Haiti: Auferstehen zum Leben

Die Generalsekretärin der WBCA besuchte die ACO (KAB) in Haiti

Köln; 3. April 2012 (hf). Bei einer Vorstandssitzung des Weltnotwerks berichtete die WBCA Generalsekretärin über ihren Besuch in Haiti.
Im Sommer des vergangenen Jahres war Betina Beate eine Woche lang in Haiti. Auch zwei Jahre nach dem zerstörerischen Erdbeben vom 13. Januar 2010 ist vieles noch so wie an den Tagen nach dem Beben, Straßen und Häuser sind zerstört, die Menschen traumatisiert.

Die WBCA Generalsekretärin der ACO reiste in das Land, um die Wirklichkeit zu sehen und die Bedürfnisse der Menschen und der Bewegung kennen zu lernen. Ziel des Besuchs waren außerdem, einen geistlichen Leiter für die Laienbewegung zu finden und damit die Bedürfnisse der Menschen nach religiöser Heimat und Nähe zur Kirche zu stärken, die Kommunikation intern und zur WBCA zu verbessern und den begonnenen Aktionsplan des vergangenen Jahres weiter zu entwickeln.
„Ich wurde überaus herzlich empfangen“, schreibt Betina Beate in ihrem ausführlichen Lagebericht.

Versammlung des Nationalkomitees

ACO Nationalvorstand HaitiGleich zu Beginn fand eine Versammlung des Nationalkomitees statt. Es zeigte sich, dass die ACO vor allem wegen des guten Willens der Mitglieder lebt. Auch die ACO hat durch das Erdbeben alles verloren: Mitglieder, Versammlungslokale, Archive…Außerdem lässt die allgemeine Infrastruktur kaum Kontakte und Treffen zu. Doch Dank der Solidaritätskampagne, die eine große Spendensumme vor allem aus den europäischen Bewegungen erbrachte, gibt es nun die Möglichkeit, sich zu treffen.

Bei dem Treffen des Nationalkomitees wurde gesprochen über die Verbesserung der Kommunikation, die Generalversammlung in 2011, die Bestellung eines Geistlichen Begleiters, die Mitgliedsbeiträge an die WBCA und das Regionalseminar 2012 in Kuba. Es wurde auch der Arbeitsplan für die Zeit nach den Gruppenbesuchen besprochen.

Gruppenbesuche
Gemeinsam mit Verantwortlichen besuchte Betina Beate die Gruppen in Thomazeau, Fonds Baptiste, Gonaives. Es gab auch Gespräche mit der CAJ und anderen wichtigen Persönlichkeiten.

Auszüge aus dem Bericht:

Besuch in Thomazeau
Gruppe in ThomazeauFrüh am Morgen fahren wir nach Thomazeau, eine Reise von zweieinhalb Stunden von Port au Prince (PaP) aus.
Die aktiven Mitglieder empfangen uns herzlich und zeigen uns voller Freude das große Terrain, das sie von einer reichen Person aus der Gegend bekommen haben. Wir versammeln uns im Gemeindezentrum, sehr gastlich und groß. Das Zentrum wird für Aktivitäten der Gemeinde genutzt und dient gleichzeitig als Kirche, aber es besteht der Plan, in Zukunft eine Kirche zu bauen. Eine andere verblüffende Sache ist, dass die Gruppe eine Schule gebaut hat mit Mitteln internationaler Organisationen. Diese Schule funktioniert im Augenblick mit freiwilligen Lehrern, weil die aktiven Mitglieder kein Geld haben, um einen Lehrer zu bezahlen. 250 Kinder besuchen diese Schule....
Es ist eine durchorganisierte Gruppe, voller Ideen, die nicht nur bei ihren Plänen bleiben, sondern um deren Verwirklichung kämpfen. Sie haben schon viel erreicht. Sie treffen sich öfter, bis ihre Überlegungen “ausgereift” sind. Die haben sehr aktive Mitglieder!!
Ohne Zweifel haben sie wirtschaftliche Probleme, und ihr Lebensraum ist isoliert (Straße nicht geteert, mit dem Fahrrad kann man nur unter großen Schwierigkeiten fahren, etwa 1h bis zur nächsten Straße in einer Zone von Überschwemmungen....


Besuch in Fonds Baptiste
Fahrt nach Fonds BaptisteSehr früh starten wir nach Fonds Baptiste, um die Gruppen an der Basis zu besuchen. Nach zwei Stunden Autofahrt von PaP aus finden wir die Abzweigung, die nach Fonds Baptiste führt.
Hier erwartet uns ein Jeep mit Vierradantrieb, weil es mit einem normalen Auto nicht möglich ist, die Berge zu „ersteigen“. Es sind nur 17 km, um dort hin zu gelangen, aber wir benötigen anderthalb Stunden; denn der Weg ist unglaublich schlecht. Eine Strecke voller Felsgestein, Schlaglöchern, Kurven…bis zu unserer Ankunft sehen wir das reale Leben der Menschen, die hier leben: es sind fast ausschließlich Bauern. Eltern und Kinder müssen arbeiten, um zu überleben. Man sieht Menschen zu Fuß oder zu Pferde den Berg auf und ab steigend und ihre Produkte transportierend. Man sieht auch kleine Motorräder, die bis zu vier Personen auf einmal befördern….
Was mich am meisten beeindruckt hat, dass 6 Personen den Berg herab stiegen, ein Bett mit einem Kranken tragend. Es gibt kein Krankenhaus in Fonds Baptiste und die Kranken, die Schwangeren und Verunglückten müssen zum nächsten Hospital getragen werden, viereinhalb Wegstunden. Viele sterben auf dem Weg.
Oben gibt es keine Elektrizität, ebenso kein Wasser. In der Regenzeit versucht man, das notwendige Wasser zu sammeln, aber sie können es nicht reinigen. In der Trockenzeit laufen die Frauen 4 Stunden zum nächsten Brunnen.
Wenn man Internet haben will wie Phillip, um mit ACO und WBCA Kontakt zu halten, muss man den gleichen Weg laufen. Es ist eine unvorstellbare Wirklichkeit.


Besuch in Gonaives

Gruppe in GonaivesWir kamen am Abend des 30.07. nach Gonaives, einer Stadt von 300.000 Einwohnern, die mir im Verhältnis zu PaP wie eine Oase des Friedens erscheint. Wir versammeln uns am folgenden Tag am Sitz der Organisation für Menschenrechte, wo Orelien arbeitet. Etwa 30 Mitglieder der ACO sind anwesend. Sie geben sich als Familie aus, wie eine Gruppe von Personen, die die gleiche Mission haben: den Weg zu suchen, die Bedingungen des Lebens der Arbeiter zu verbessern. Wichtig ist es, im Team zu arbeiten. Sie sehen die Bedeutung des Gebetes, und obwohl sie eine katholische Bewegung sind respektieren sie den Glauben eines jeden. Das Gebet ist zentral in ihren Aktivitäten. Es ist der Weg mit Gott zu sprechen, die Art mit der Seele zu atmen. Jesus ist der Kompass für die Überprüfung des Lebens. Die Hauptaktivitäten dieser Gruppe ist die Arbeit mit jugendlichen Drogenabhängigen, die Alphabetisierung von Erwachsenen und Hilfe beim Arbeitsrecht. ACO Gonaives war die Stütze der ACO Haitis.

Update
- Kurz nach meiner Abreise, die Gruppe in Fonds Baptiste hat sich organisiert, ein Gespräch mit der Regierung gesucht und ihr die schwierige Lebenssituation geschildert. Sie hat darum gebeten, dass eine Strasse gebaut wird.
DIE REGIERUNG HAT AUF SIE GEHÖRT, UND SIE HAT 15 KM STRASSE BIS ZUM FONDS BAPTISTE GEBAUT! Dies ist ein riesiger Erfolg der Solidaritätskampagne und einen konkreten Beispiel, warum eine starke ACO sehr wichtig ist
- Die Regionen Gonaives, Fonds Baptiste und Thomazeau haben ihre Kleinprojekte formuliert. Die WBCA wird sich bemühen, die Mittel zu finden, damit diese Projekte verwirklicht werden können.


Text als PDF-Datei mit Bildern hier!

Wenn Sie an dem ausführlichen Bericht interessiert sind, schreiben Sie uns bitte.

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Die Tragödie von Haiti - Hilfe des Weltnotwerks

Köln, 19. Januar 2010. Das Erdbeben vom 13.01.2010 hat mit Haiti eines der ärmsten Länder der Welt zu tiefst getroffen. Die Tragödien, die sich seit Tagen dort abspielen, sind unfassbar. Wir Frauen und Männer in KAB und CAJ sind davon äußerst betroffen und leiden mit den Menschen. (weitere Texte zum runterladen siehe rechte Spalte)

Es ist gut, dass die Hilfsbereitschaft wieder sehr groß ist und viele Hilfswerke, die auf Nothilfe spezialisiert sind, nun aktiv, wenn auch unter extrem schwierigen Bedingungen, arbeiten. Wenn Sie aktuelle helfen möchten, empfehlen wir Ihnen Ihre Geldspenden Misereor oder Caritas International zur Verfügung zu stellen. Deren Mitarbeiter sind vor Ort im Einsatz und haben große Erfahrung und Kenntnisse für die jetzige Not.

Die WBCA-Präsidentin Alda Fortes aus Brasilien und der WBCA-Präsident Crespin Lawson aus Niger haben einen Brief zum Erdbeben geschrieben. Sie fordern uns auf, unsere Solidarität mit den Opfern in Haiti auszudrücken, schreiben aber gleichzeitig, dass unsere Aufgabe als christlich-sozial Engagierte, den Menschen in Haiti nicht nur jetzt helfen darf, sondern ihnen einen dauerhafte, eigenständige Perspektive geben soll. Genaue Inhalte entnehmen Sie bitte der beigefügten Übersetzung des Briefes.

Das Weltnotwerk der KAB ist grundsätzlich in diesem Sinn aktiv. Nach dem Erdbeben in Peru hat das Weltnotwerk beispielsweise ein Projekt unterstützt, dass die betroffenen Menschen in die Lage versetzt hat, selbst für die geeignete Verteilung der Mittel für den Wiederaufbau zu sorgen. Oftmals erleben wir, wie andere darüber entscheiden ohne Kenntnisse und Zusammenarbeit mit dem Betroffenen selbst. Wir wissen, dass so der Wiederaufbau und auch eine dauerhafte Entwicklung nicht möglich sind.

Haiti ist das ärmste Land Amerikas. Dort besteht eine "KAB"-Bewegung, die in unserem Sinne die Menschen organisiert. Wir bemühen uns um Kontakte zur Bewegung in Haiti. So hat die Generalsekretärin der WBCA und ehemalige Mitarbeiterin des Weltnotwerk, Betina Beate, Kontakt mit der Bewegung im Nachbarland Dominikanischen Republik aufgenommen. Wir warten dringlich auf (Über-)Lebenszeichen aus Haiti. Sobald wir Kontakte haben, werden wir mit Ihnen gemeinsam geeignete Maßnahmen ergreifen. Das Weltnotwerk arbeitet immer mit den Bewegungen an der Basis selbst für eine nachhaltige Veränderung zu sozialer Gerechtigkeit zusammen.

Damit unserer Schwestern und Brüder der KAB Haitis wieder Hoffnung schöpfen können, bitten wir um Ihre Spenden unter dem Stichwort "Erdbeben Haiti".

Wir möchten Sie auch darum bitten, die Menschen in Haiti in ihr Gebet einzuschließen. Wenn Sie Solidaritätsbotschaften senden möchten, schicken Sie diese bitten an: haiti@weltnotwerk.de. Herbert Fitzka, Vorstandsmitglied des Weltnotwerk, sammelt Ihre Botschaften und wir werden diese gebündelt weiterleiten (nach Möglichkeit in Französischer Sprache).
Für den Vorstand
  
Otto Meier 
Vorsitzender Weltnotwerk e.V. 

Norbert Steiner
Geschäftsführer Weltnotwerk e.V.

Solidaritätsadressen als PDF Datei hier!

KAB-Bezirksverband Böblingen-Sindelfingen (französisch)

WNW Vorstand (deutsch) 

Die Personen von links nach rechts:
Pierre Philippe - Betina Beate, WBCA Generalsekretärin - 
Orelien Frisner, Schatzmeister der ACO Haiti

Von Orélien haben wir die gute Nachricht, dass er lebt. Von Pierre haben wir noch keine Informationen.

Wir haben eine kurze Mail des Schatzmeisters der ACO Haiti, 
Orélien Frisner, an den Schatzmeister der WBCA erhalten:
Lieber Jean Michel,
wir sind glücklich von dir zu hören und dass wir auf eure Unterstützung zählen können. Entschuldige meine späte Reaktion, aber du weißt, wie schwierig die Dinge in Haiti derzeit sind. unsere Situation ist nach wie vor verzwickt aufgrund der Dimension der Katastrophe. Unsere Verluste an menschlichem Leben und materiellem Besitz sind unschätzbar. Jeder egal welchen sozialen Status er hat ist am Verhungern. Es fehlt an allem. Einige sind nach wie vor unter den Trümmern. Wir haben Nachrichten von den meisten unserer Mitglieder, aber nicht von allen. Es ist schade. Aber dennoch denken wir daran die zweite Phase unseres Projektes zu planen
(zwischen ACO Frankreich und ACO Haiti – Anmerkung des Übersetzers). 

Spendenkonto:
Stichwort: Erbeben Haiti - Pax Bank Konto 1615 1068 - BLZ 370 601 93

Aktueller Spendenstand (16. Juli 2010): 19.134,08 €

Nebenstehenden Aufruf drucken - PDF-Datei

WBCA Aufruf (PDF-Datei) drucken:

Deutsch
Englisch
Spanisch
Französisch

Weitere Hintergrundinformationen:
Info 1 - PDF-Datei
Info 2 - PDF-Datei