Das Weltnotwerk der KAB

Guatemala

Arbeitsrechte für Landarbeiter

Guatemala:

In Guatemala verfolgt die KAB des  Diözesanverbandes Köln mit Unterstützung durch das Weltnotwerk e.V. und in Zusammenarbeit mit Misereor ein ehrgeiziges Projekt mit der im Jahre 1997 gegründeten Landarbeiterbewegung Movimiento de Trabajadores Cristianos (MTC) in der Diözese San Marcos.

Die Selbstorganisation und Stärkung der bäuerlichen Bevölkerung, der Landarbeiter sowie der Tagelöhner sind die Ziele dieses Projekts. Neben der Bildung einer gesellschaftlichen Gegenmacht durch den Auf- und Ausbau des Verbandes, werden insbesondere zwei Ziele angestrebt: Grundstückvergabe und Verteidigung der Arbeitsrechte der Landarbeiter. Daneben soll eine Stärkung und Förderung der Menschenrechte stattfinden. Dafür gibt die MTC eine Rechtsberatung und -vertretung für die Zielgruppe.

Die MTC hat sich in den letzen Jahren organisatorisch sehr weiterentwickelt. Bis jetzt hat sie zehn Regionalverbände gegründet, vier in der Region Altiplano und sechs in der Region Boca Costa. Insgesamt haben sich der MTC über 3.000 Mitglieder angeschlossen, davon sind ca. 54% Frauen. Damit hat die MTC ihre Mitgliederzahl innerhalb von zwei Jahren verdreifacht.

Der Grund für die rasante Entwicklung waren intensive Bildungsveranstaltungen für Mitglieder und Multiplikatoren. Im Vordergrund standen dabei Konferenzen in  den einzelnen Regionalverbänden, Bildungsprogramme zu den Themen Arbeitsrecht, Landfrage und Erziehung sowie eine Intensivierung der Bildungs- und Beratungsarbeit für die Leitungskräfte.

Konkretes Ziel des Projekts ist, dass 1.250 Familien als Entschädigung für jahrelanges Arbeiten ohne adäquate Bezahlung, Grundstücke erhalten. Dabei ist es sehr wichtig, dass die Zielgruppe sich selbst für ihre Rechte einsetzt. Die MTC stellt nur eine juristische Beratung und Vertretung.

Hintergrund

Die anhaltende Kaffeekrise führt immer wieder zu arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Landarbeitern und den Fincabesitzern. Neben ausbleibender Lohnzahlung geht es bei diesen Konflikten um Kündigungen sowie damit zusammenhängende Abfindungszahlungen.

Immer wieder kommt es zu Gerichtsprozessen, da die Grundbesitzer sich über die Rechte der Arbeitnehmer hinwegsetzen: Landarbeiter werden grundlos entlassen, sie bekommen oftmals keinen Lohn ausgezahlt oder werden gar nicht mehr entlohnt.

Obschon das guatemaltekische Arbeitsrecht zum Teil sehr eindeutig ist, werden den Landarbeitern oft ihre Rechte vorenthalten. Bei den Gerichtsverfahren kommt es regelmäßig zur Verschleppung der Prozesse oder Rechtsmissbräuchen durch die Gerichte. Trotz positiver Verfahrensverläufe für die Landarbeiter werden die gerichtlich zugesprochenen Abfindungen oder/und Entschädigungen oft nicht ausgezahlt.

Die ungleiche Landverteilung zwischen Kleinbauern und Großgrundbesitzern ist ein wesentlicher Grund für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in San Marcos bzw. überhaupt in Guatemala. In dem Friedensvertrag von 1996 hatte sich die damalige guatemaltekische Regierung verpflichtet, für eine gerechtere Landverteilung zu sorgen. Trotz der Bemühungen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen ist diese Zusage bisher nicht verwirklicht und umgesetzt worden. Zur Verbesserung der Lebenssituation der Landbevölkerung ist die Landfrage von erheblicher Bedeutung. Neben der Sicherstellung des eigenen Lebensunterhaltes würde eine gerechtere Landverteilung langfristig auch zur Minderung der Abhängigkeit vom Kaffeeanbau führen.

Erfolge der MTC

Erste juristische Erfolge sind bereits zu verbuchen. So werden im Fall Clermon 49 Familien Grundstücke im Wert von 450.000 EUR erhalten. Sie hatten geklagt, weil sie vom Grundbesitzer nicht mehr bezahlt wurden. Im Fall Jerónimo haben nach vier Jahren 15 Familien den Prozess gewonnen. Jede Familie erhält 1.600 m² von einem sehr zentralen Grundstück. Im Fall Barcelona haben 4 Familien kein Land erhalten, aber sie bekamen 67.000 Quetzal (8.000 Euro) als Entschädigung. Mit dem Geld wollen sie ein geeignetes Grundstück suchen.

Neben der Rechtsberatung und -vertretung wird die Bildungsarbeit in dem kommenden Projektzeitraum erneut ein Schwerpunkt sein. Ein wesentlicher Bestandteil der Projektarbeit ist dabei die gezielte Förderung von Frauen, die in der guatemaltekischen Gesellschaft immer noch stark benachteiligt werden.

 

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