Das Weltnotwerk der KAB

Brasilien

Zusammenarbeit mit der MTC

Brasilien:

Brasilien ist ein Land voller Gegensätze: Reichtum, Lebensfreude und Möglichkeiten auf der einen Seite, viel Armut, Gewalt und Ungerechtigkeit auf der anderen Seite. Die soziale Lage des Landes ist schlecht. Die meisten Menschen arbeiten ohne einen Vertrag, und es gibt viele Arbeitslose und vom Erwerbsprozess Ausgeschlossene.

Daneben stellt die Frage der Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen ein großes Problem der Gesellschaft dar. Das Sozialrecht bietet den Frauen (vor allem Frauen aus ärmeren Schichten) sehr geringe Möglichkeiten, sich durch ein Studium oder im Beruf weiter zu entwickeln. Frauen werden immer noch erst beim Eintritt in die Ehe oder zu Beginn der Mutterschaft von der Gesellschaft als Frau anerkannt. Um aber neben der Rolle als Ehefrau und Mutter im Beruf oder Studium vorankommen zu können, sind Kinderkrippen erforderlich. Doch davon gibt es viel zu wenige. In São Leopoldo – einer Stadt mit 200.000 Einwohnern – beispielsweise waren im Jahre 2005 lediglich sechs Kinderkrippen vorhanden.

Weitere schwerwiegende Probleme, gegen welche angekämpft werden muss, sind  sexueller Missbrauch von Mädchen sowie  häusliche Gewallt gegen Frauen.

Die Diözesanverbände Limburg und Osnabrück sind seit vielen Jahren Partner der MTC (Movimento de Trabalhadores Cristãos), der Bewegung der christlichen Arbeiter in Brasilien.(www.kab-limburg.de/, http://kab-os.de).

Gemeinsam setzen sie sich für mehr Gerechtigkeit in der brasilianischen Gesellschaft ein; dafür, dass alle Menschen ein Recht auf Arbeit, Wohnung, Gesundheit, Freizeit haben und auch die Rechte der Frauen respektiert werden. Darüber hinaus widmen sich andere Projekte der MTC auch Umweltfragen. Mit ihrem Einsatz versucht die MTC, ihren Landsleuten bessere Lebensbedingungen und somit ein Leben in Würde zu ermöglichen.

Das aktuelle Projekt der MTC wird  in Kooperation mit dem Weltnotwerk e.V. durchgeführt. Es handelt sich um ein dreijähriges Ausbildungsprojekt von Anfang 2006 bis Ende 2008. Die MTC und ihre deutschen Partner haben sich als Ziel des Projektes gesetzt, neue Führungskräfte, weitere Multiplikatoren und Mitglieder zur Planung von Aktivitäten auszubilden sowie Aktionen in den folgenden drei Themenbereichen zu organisieren: Im  Jahr 2006 ist das Thema „Frauenrechte“ behandelt worden, im Jahr 2007 ging es um das Thema „Bürgertum“ und im Jahr 2008 bildet das Thema „solidarische Wirtschaft“ den Schwerpunkt.

Die gesteckten Ziele sollen einerseits durch drei nationale sowie 48 regionale Seminare in den drei Jahren erreicht werden. Als wichtiger Bestandteil des Projektes organisiert die MTC  auch viele Versammlungen und Treffen, wie z.B. die des Bundesrats, der Bundesleitung, Ausbildungstreffen, Betreuertreffen. Workshops, nationale Artikel und Berichte  in den Zeitungen der MTC, INFOR und ASSUMIR, die in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden, sind ebenfalls geplant.

Zukunft durch Ausbildung: Bäckermeister in Rio

Ausbildung und Weiterbildung sind  wichtige Arbeitsschwerpunkte des Weltnotwerk e.V. In Zusammenarbeit mit unseren Partnern vor Ort öffnen wir jungen Menschen in vielen Ländern die Tür in eine lebenswerte Zukunft. Ein gutes Beispiel hierfür ist unser Projekt in Brasilien mit der Franziskanischen Gemeinschaft (Venerável Ordem Terceira de São Francisco da Penitência, VOT) und dem KAB-Diözesanverband Würzburg (www.kab-wuerzburg.de/).

Unser Partner gründete im ehemaligen Hafen von Rio de Janeiro ein Sozialzentrum, in dem Jugendliche unterrichtet und betreut werden sowie Fachärzte kostenlos die Bevölkerung behandeln. Rund um das ehemalige Hafenviertel leben über 61.000 Menschen. Seit der Schließung des Hafens und damit   dem Wegfall des wichtigsten Arbeitgebers der Region, muss sich die Bevölkerung außerhalb ihres Stadtteils Arbeit suchen. Das Leben wird von Gewalt und Kriminalität beherrscht. Besonders Jugendliche sind gefährdet noch weiter sozial abzusteigen und somit auf die schiefe Bahn zu geraten.

Deshalb hat die Franziskanische Gemeinschaft in einer alten Backstube eine Ausbildungswerkstatt eingerichtet. Der Standort wurde gezielt ausgesucht, denn es ist die einzige Bäckerei in diesem Viertel. Mit Unterstützung des Weltnotwerk e.V. wird ein erfahrener Bäckermeister angestellt, um Jugendlichen das Bäckerhandwerk zu lehren. Das Projekt ist eingebunden in die Infrastruktur des Sozialzentrums. Dadurch können die jungen Menschen noch weitere Angebote zur Stabilisierung ihres Lebens wahrnehmen.

Jedes Jahr erhalten 100 Jugendliche durch dieses Projekt eine Ausbildung. Gleichzeitig wird sich die Ausbildungsstätte durch den Verkauf der Backwaren innerhalb der nächsten drei Jahre selbst finanzieren. Für die Heranwachsenden im Hafenviertel ist dies die einzige Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu erlangen, da andere Einrichtungen Kursgebühren verlangen. Das Geld dafür können die Jugendlichen nicht aufbringen. Das Projejt hilft nicht nur  Jugendlichen sondern wirkt sich auch sehr positiv auf das alltägliche Leben, die Sicherheit und das soziale Klima im Viertel aus. Es leistet also einen wichtigen Beitrag zur Befriedung dieses von Drogenkriminalität, Waffenhandel und Prostitution geprägten Stadtteils. Deshalb ist nicht nur das Erlernen der Fähigkeiten zur Herstellung und zum Verkauf der Backwaren Bestandteil der Ausbildung. Wesentlich ist, dass die jungen Menschen zu einem komplexeren Verständnis der Bewahrung der Schöpfung und des menschlichen Lebens erzogen werden.

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